#21Wochenbriefing9. September 2026 · 8 Min.

Was Du Dir von Profis wirklich abschauen kannst.

Der Ball vor dem Winner verrät oft mehr als der Abschluss. Dazu: neue Forschung zum Punktaufbau, geänderte APU-Bestimmungen, Hamburger Ergebnisse und ein Training für Deinen nächsten Matchabend.

Der Smash landet draußen, die Halle jubelt, der Clip endet. Aber welcher Ball hat diesen Abschluss überhaupt möglich gemacht? Genau dort beginnt diese Woche unser Blick aufs Padel. Du erfährst, wie Du aus Profimatches etwas für Dein eigenes Spiel mitnimmst, ohne deren Schlaghärte kopieren zu müssen. Dazu kommen eine neue Untersuchung zum Punktaufbau, geänderte Turnierbestimmungen aus Österreich und die Ergebnisse vom Hamburger Rothenbaum. Und in der Schweiz wartet ein Wettbewerb, bei dem schon ein einziger Ballwechsel alles entscheiden kann.

Top-Story der Woche

Schau auf den Ball vor dem Winner

Das Paris Major läuft. Für Deine nächste Padelstunde lohnt sich beim Zuschauen ein kleiner Perspektivwechsel: Verfolge nicht nur den spektakulären Abschluss, sondern auch den Weg dorthin. Eine am 2. September veröffentlichte Studie zum Punktaufbau im Profipadel liefert dafür den aktuellen Anlass.

Unser Vorschlag: Schau Dir fünf aufeinanderfolgende Punkte an, keine Sammlung ausgewählter Highlights. Behalte dabei zunächst nur einen Spieler im Blick. Wo steht er, bevor sein Partner schlägt? Wann muss er aus einer bequemen Position heraus? Und welchen Ball bekommt der Gegner anschließend?

Ein Beispiel: Du siehst einen Volleyfehler am Netz. Spule im Kopf einen Schlag zurück. Kam zuvor ein Ball, der den Spieler weit nach außen gezogen hat? Musste er aus der Bewegung treffen? Dann lautet die Aufgabe womöglich nicht einfach „Volleys üben“, sondern „nach dem eigenen Schlag schneller wieder eine spielbare Position finden“.

Umgekehrt ist ein gelungener Winner noch kein Beweis für eine gute Entscheidung. Vielleicht war der Abschluss sauber vorbereitet. Vielleicht ging ein riskanter Versuch diesmal gut. Bewerte die Ausgangslage, nicht nur das Ergebnis.

Für Dein eigenes Spiel heißt das: Such Dir eine Situation, die Du wiedererkennst. Nicht den Schlag, den Du am liebsten beherrschen würdest. Falls Dir dabei ein Begriff fehlt, hilft Dir der Bereich Padel lernen.

Tour in 90 Sekunden

Madrid hat seine Sieger, Paris läuft

Madrid, Herren: Galán/Chingotto gewinnen das Finale gegen Nieto/Yanguas 6:4, 5:7, 6:4. Damen: Triay/Brea schlagen Josemaría/González 6:7, 6:3, 6:3. FIP-Finalbericht.

Weltrangliste vom 7. September: Yanguas steigt auf Platz sieben, Stupaczuk fällt auf acht. Josemaría rückt vor González auf Rang drei. Coello/Tapia und Triay/Brea bleiben vorn. FIP-Ranking.

Paris: Das Major läuft bis 13. September. Leygue/Moya und Guichard/Geens haben die zweite Runde erreicht. Die Turniersieger stehen noch nicht fest. FIP-Tagesbericht vom 9. September, Turnierdaten.

DACH kompakt

Neue Bestimmungen, neue Ergebnisse, neue Aufgaben

01

Österreich: Deine APN bei der Anmeldung zählt

Seit 1. September gilt die überarbeitete APU-Wettspielordnung, auch für bereits veröffentlichte Turniere. Sie stellt klar: Entscheidend ist Deine Austrian Padel Number bei der Anmeldung. Eine spätere Veränderung allein führt nicht zum Ausschluss. Außerdem ist ein Partnerwechsel bei Krankheit oder Verletzung nun auch für Starter-, Advanced- und Expert-Turniere ausdrücklich geregelt, sogar nach der Auslosung. Dann bleibt die Rasterposition erhalten. Änderungen bitte mit der Turnierleitung abstimmen. APU-Änderungsübersicht.

02

Hamburg: Aus der Ankündigung werden Ergebnisse

In Ausgabe #20 hatten wir PADELHAM angekündigt. Jetzt stehen die Sieger des Wochenendes fest: Julia Rados und Nastja Rettich gewinnen das GPT-1000-Finale gegen Miriam Jeuck und Emma Rehermann 6:3, 6:2. Bei den Herren setzen sich Tobias Rauch und Patrick Mayer Lopez gegen Linus Ingvar Holthey und Laurent Baese 6:2, 6:3 durch. Neben der höchsten Kategorie wurden auch 250er- und 100er-Wettbewerbe gespielt. Offizieller Rückblick von MyPadel/DTB.

03

Senioren-WM: Auch mit 60 auf internationaler Bühne

Am 14. September beginnt in Buenos Aires der FIP Senior World Cup. Die angekündigten Altersklassen reichen von 40+ bis 60+, jeweils in Fünfjahresschritten. Der DPV informiert über die deutschen Seniorenteams und seine Auswahlkriterien. Interessant daran: Neben Ergebnissen nennt der Verband ausdrücklich Anpassungsfähigkeit, Trainierbarkeit und Teamkombinationen. Für ambitionierte Clubspieler ist das eine andere Perspektive auf Leistung als die Frage, wer am härtesten schlägt. FIP-Turnierankündigung.

04

Schweiz: Ein Match, ein Punkt

In Ausgabe #17 war die One Point Challenge kurz Teil des Münchner Eventkalenders. Jetzt richtet sich der Blick auf den Schweizer Termin am 12. September in Solothurn/Biberist: Ein Ballwechsel entscheidet über das Weiterkommen, der Aufschlag wird per Münzwurf bestimmt. Als Wettkampferlebnis reizvoll, als Urteil über Deine Spielstärke wenig aussagekräftig. Ein einzelner Punkt zeigt nicht, wie zuverlässig Du über ein ganzes Match spielst. Format und Termine beim Veranstalter.

Zahl der Woche

5,10 Courts pro 100.000 Einwohner

5,10 erfasste Courts pro 100.000 Einwohner weist unser Atlas für das Bundesland Hamburg aus. Damit liegt es bei der Court-Dichte vor Nordrhein-Westfalen mit 3,80, obwohl NRW absolut deutlich mehr Plätze hat. Court-Datenstand ist der 7. September 2026, die Einwohnerbasis stammt vom 31. Dezember 2024. PadelCompass-Atlas: Bundesländer im Vergleich.

Die Zahl beschreibt das erfasste Angebot im Verhältnis zur Bevölkerung, nicht freie Abendtermine oder kurze Anfahrten. Gerade beim Vergleich eines Stadtstaats mit einem Flächenland ist das wichtig. Für Deine Platzsuche zählen am Ende der konkrete Ort, die passende Uhrzeit und die Verfügbarkeit.

Wissenschaft der Woche

Nicht jeder Punkt folgt demselben Muster

Iván Martín-Miguel und Kollegen untersuchten 1.082 Punkte aus acht Profimatches der Premier-Padel-Saison 2025. Die Arbeit erschien am 2. September 2026 im International Journal of Sports Science & Coaching. Erfasst wurden unter anderem die Zahl der Schläge pro Ballwechsel, Punktausgang und Abschlussschlag. DOI: 10.1177/17479541261485689.

Laut frei zugänglicher Zusammenfassung zeigten die untersuchten Herrenmatches mehr kurze Ballwechsel und Winner. Bei den Damen waren die Ballwechsel länger. Als letzte Schläge kamen bei den Herren besonders häufig Smashes vor, bei den Damen Vorhand- und Rückhandvolleys.

Das ist eine Beobachtungsstudie, kein Trainingsversuch. Sie beweist weder, dass längere Ballwechsel besser sind, noch dass Hobbyspieler diese Muster übernehmen sollten. Acht Profimatches bilden außerdem nicht die gesamte Padelwelt ab.

Was Du daraus mitnehmen kannst: Betrachte beim Lernen aus Videos den Verlauf eines Punktes mit. Die Häufigkeit eines Abschlussschlags sagt Dir noch nicht, ob er zu Deiner Situation passt.

Aus der Community

Gute Schläge, aber kein gemeinsamer Plan?

Ein Beitrag vom 4. September in r/padel beschreibt ein nachvollziehbares Problem: Zwei Spieler mögen ihre Volleys und gehen gemeinsam ins Turnier, haben aber keine Strategie, auf die sie sich verlassen können. Unter Druck wird improvisiert.

Unsere Antwort: Formuliere mit Deinem Partner eine überprüfbare Frage. Zum Beispiel: „Kommen unsere Gegner besser zurecht, wenn sie am gleichen Ort bleiben dürfen, oder wenn wir sie seitlich bewegen?“ Beobachte mehrere Punkte, bevor Du daraus einen Plan machst. Ein einzelner Fehler reicht nicht für das Urteil, jemand habe eine schwache Rückhand.

Besprecht beim Seitenwechsel eine Beobachtung und eine Anpassung. „Er trifft nach dem seitlichen Lauf später“ ist hilfreicher als „Spiel einfach besser“. So wird aus einer Partnerbewertung ein gemeinsames Problem, an dem Ihr arbeiten könnt.

Dein Training diese Woche

Zehn Punkte ohne Ergebnisbrille

Probier diese Woche: Nutze zehn Punkte einer lockeren Viererrunde für einen kleinen Entscheidungstest. Die normale Zählweise bleibt bestehen. Klärt vorher, dass nach jedem Punkt kurz Zeit zum Sprechen ist.

Nach den ersten fünf Punkten benennt jedes Paar einmal, bei welchem Schlag es erstmals unter Druck kam. Nicht automatisch beim letzten. War die Ursache eine schlechte Länge, eine offene Seite oder eine verspätete Bewegung? Wählt genau eine dieser Beobachtungen für die nächsten fünf Punkte.

Danach zählt nicht nur, wer gewonnen hat. Fragt: Ist dieselbe schwierige Ausgangslage erneut entstanden? Falls ja, war Eure vermutete Ursache richtig? Wenn Ihr es nicht erkennen konntet, bleibt die Antwort offen.

Das ist unser redaktioneller Übungsvorschlag, kein aus der Studie abgeleitetes Erfolgsrezept. Er soll Eure Fehleranalyse konkreter machen. Du brauchst dafür keinen Trainer, keine Kamera und keine zusätzliche Ausrüstung.

Termine DACH & Tour

Die nächsten Anker im Kalender

  • 12. September, Österreich: Im APU-Kalender stehen unter anderem ein offener Starter-Bewerb in Haag und ein Mixed-Newcomer-Turnier in Gleisdorf. Prüfe APN-Grenzen, Meldeschluss und Warteliste direkt in der Ausschreibung.
  • 12. September, Schweiz: One Point Challenge in Solothurn/Biberist. Informationen zur Teilnahme stehen auf der Veranstalterseite.
  • 18. September, Deutschland: Company Cup in Unterföhring/München für Zweierteams aus dem Kollegenkreis. Gespielt werden Match-Tiebreaks mit Gruppenphase und anschließender K.-o.-Runde. MyPadel-Terminübersicht.

International: Paris Major bis 13. September; Senior World Cup in Buenos Aires ab 14. September. Termine und Teilnahmebedingungen vor einer Reise nochmals beim Veranstalter prüfen.

Eine eigene Runde mit wechselnden Paarungen kannst Du im PadelCompass-Turnierplaner vorbereiten. Er erstellt Spielpläne für Deine Gruppe; die Anmeldung zu Verbandsturnieren läuft separat.

FAQ

Schnelle Antworten zur Padel-Woche

Welche Profis sollte ich mir als Anfänger anschauen?

Wähle zunächst eine Situation statt eines Lieblingsspielers: etwa die Bewegung des Partners, während der andere den Ball spielt. Schau Dir an, wer eine Lücke schließt und wer wartet. Eine feste Kameraperspektive und mehrere vollständige Punkte sind dafür hilfreicher als ein Zusammenschnitt spektakulärer Abschlüsse. Du musst nicht denselben Schlag beherrschen, um eine Positionsentscheidung zu verstehen.

Woran erkenne ich eine gute Entscheidung, wenn der Ball trotzdem ins Netz geht?

Trenne Absicht und Ausführung. Hattest Du Zeit, einen stabilen Stand und ein sinnvolles Ziel? Dann kann die Entscheidung passend gewesen sein, obwohl Du den Ball unsauber getroffen hast. Warst Du dagegen spät dran und hast eine sehr kleine Lücke gesucht, lag das Problem möglicherweise schon in der Wahl. Beurteile wiederkehrende Situationen, nicht nur den letzten Fehler.

Sollten wir jetzt jeden Punkt möglichst lang machen?

Nein. Die Aufgabe ist nicht, eine Mindestzahl an Schlägen zu erreichen. Du willst erkennen, wann sich Eure Lage verbessert oder verschlechtert. Einen klar vorbereiteten Abschluss künstlich hinauszuzögern wäre genauso wenig sinnvoll wie ein riskanter Versuch aus Bedrängnis. Im Training darfst Du unterschiedliche Lösungen ausprobieren; im Match brauchst Du eine, die Du unter den jeweiligen Bedingungen verlässlich ausführen kannst.

Mein Partner wird vor einem APU-Turnier krank. Können wir noch tauschen?

Für Starter, Advanced, Expert, Jugend, Mixed und Seniors erlaubt die neue Ordnung einen krankheits- oder verletzungsbedingten Partnerwechsel auch nach der Auslosung. Bei Professional und Elite ist er nach der Auslosung ausgeschlossen. Melde Dich umgehend bei der Turnierleitung und kläre die Teilnahmevoraussetzungen des Ersatzpartners. APU-Wettspielordnung, Abschnitt 4.5.

Wir sehen die Ursache eines verlorenen Punkts unterschiedlich. Was dann?

Behandle beide Erklärungen als Vermutung. Einigt Euch darauf, welche konkrete Situation Ihr in den nächsten Punkten beobachten wollt. Hilfreich ist eine beschreibende Sprache: „Ich war noch draußen, als der nächste Ball kam“ statt „Du hast mich hängen lassen“. Ihr braucht keine sofortige Einigkeit über Schuld, sondern einen gemeinsamen nächsten Test.

Quellen

Die wichtigsten Quellen

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