Padel hört mit 40 nicht auf.
Senioren-WM, ein deutscher Major-Meilenstein und ein besserer Blick auf Deine Matchbelastung. Was diese Woche passiert ist und was Du für Deinen nächsten Courtbesuch mitnehmen kannst.
Mit 40 fängt im Padel nicht die Auslaufzone an, sondern eine eigene internationale Wettkampfklasse. In Buenos Aires spielen gerade Nationalteams bis zur Kategorie 60+ um WM-Platzierungen. Deutschland startet mit einem knappen Sieg, Österreich hat die Qualifikation geschafft. Gleichzeitig schreibt Victoria Kurz in Paris deutsche Padel-Geschichte. Für Deinen nächsten Courtbesuch geht es diesmal um eine weniger sichtbare Größe: Belastung. Warum ein kürzerer Satz nicht automatisch leichter war und wie Du Dein eigenes Spiel genauer einschätzt, liest Du in dieser Ausgabe.
Padel hört mit 40 nicht auf
In der letzten Ausgabe war die Senioren-WM noch ein Ausblick. Jetzt wird gespielt: Seit dem 14. September läuft in Buenos Aires die Finalphase des FIP Senior World Cup. 32 Herren- und 26 Damenteams treten an. Eine Länderbegegnung umfasst fünf Doppel in den Kategorien 40+, 45+, 50+, 55+ und 60+. Das macht den Wettbewerb auch für Clubspieler interessant: Die älteste Paarung ist kein Rahmenprogramm, sondern Teil des Mannschaftsergebnisses. FIP: Format und Auslosung.
Für den eigenen Verein steckt darin eine einfache Anregung. Wenn Ihr über ein Team nachdenkt, fragt nicht nur: „Wer sind unsere zwei Besten?“ Fragt auch: „Für wen haben wir überhaupt ein passendes Wettkampfformat?“ Eine offene Leistungsklasse, ein altersbezogener Wettbewerb und ein gemeinsamer Clubabend erfüllen unterschiedliche Zwecke. Nicht jeder braucht denselben Einstieg.
Unser Vorschlag für Deine nächste Turniersuche: Kläre zuerst, ob Du einen langen Wettkampftag, mehrere kurze Matches oder eine überschaubare Abendrunde möchtest. Erst danach vergleichst Du Kategorie und Anreise. Der Turniername allein sagt wenig darüber, wie gut der Tag zu Dir passt.
Die WM ist Spitzensport und kein Beleg dafür, dass jede Belastung für jeden Menschen geeignet wäre. Als sportliches Bild ist sie trotzdem stark: Ambition muss nicht an eine einzige Altersgruppe gebunden sein. Wer erst später mit Padel anfängt, braucht deshalb keinen Profi-Vergleich, sondern passende Mitspieler, realistische Ziele und regelmäßig gute Spielgelegenheiten.
Paris: zwei ganz unterschiedliche Finals
Herren: Coello/Tapia besiegen Galán/Chingotto 6:3, 4:6, 7:6, den letzten Tiebreak 7:1. Ihr vierter Paris-Titel in Folge. Damen: Sánchez/Ustero schlagen Fernández/Calvo 6:2, 6:0. FIP-Finalbericht vom 13. September.
Ranking, 14. September: Coello/Tapia und Triay/Brea führen weiterhin. Sánchez ist Dritte, Ustero Siebte. FIP-Weltrangliste.
Danach: Rotterdam P2 vom 28. September bis 4. Oktober, Düsseldorf P2 vom 5. bis 11. Oktober. Offizieller FIP-Kalender.
Neue Ergebnisse statt neuer Ankündigungen
Deutschland: Das 3:2 kommt aus der Breite
Die deutschen Herren gewannen ihren WM-Auftakt am 14. September gegen Großbritannien 3:2. Die drei Siege holten laut FIP die Paarungen Silberbach/Forschner in 60+, Kraemer/Schramm in 55+ und Capell/Schneiderhan in 50+. Genau das zeigt die Logik dieses Mannschaftswettbewerbs: Nicht eine herausragende Paarung allein entscheidet, sondern die Ergebnisse über mehrere Altersklassen. Der Auftakterfolg ist noch keine Aussage über die abschließende Gruppenplatzierung. FIP-Tagesbericht vom 15. September.
Österreich: Mit 5:0 durch die Qualifikation
Österreichs Herren lösten mit einem 5:0 gegen Kroatien ihr Ticket für die WM-Finalphase. Alle fünf Altersklassen steuerten einen Sieg bei. Das ist das neue Ergebnis hinter der Vorschau aus Ausgabe #21. Die Auslosung brachte anschließend Mexiko, Finnland und Gibraltar als Gruppengegner. Die österreichischen Damen waren direkt qualifiziert und verloren ihren Auftakt gegen die Niederlande 0:5. FIP-Qualifikationsbericht, Auslosung, Auftaktbericht.
Schweiz: Auftakt gegen die Gastgeberinnen
Die Schweizer Damen trafen zum Start auf Argentinien und unterlagen 0:5. Zur Gruppe gehören außerdem Portugal und Kanada. Wichtig bei solchen Zwischenständen: Eine Auftaktniederlage ist nicht das Ende des Turniers. Die FIP sieht nach der Gruppenphase auch Spiele um die weiteren Platzierungen vor. Die Gruppe soll am 16. September abgeschlossen werden; eine endgültige Schweizer Platzierung steht in diesem Briefing daher noch nicht. FIP: Auftakt und Turniermodus.
Victoria Kurz: Ein deutscher Premier-Padel-Meilenstein
Victoria Kurz erreichte an der Seite von Anna Ortiz als erste deutsche Spielerin das Achtelfinale eines Premier-Padel-Hauptfelds. Das bestätigt die FIP in ihrem Bericht vom 10. September. Die beiden waren nach dem Rückzug von Icardo/Jensen als Lucky Loser nachgerückt. Im Achtelfinale endete ihr Lauf gegen Orsi/Llaguno mit 1:6, 1:6. Ein neuer sportlicher Schritt, nicht bloß eine weitere Teilnahme. FIP: historisches Achtelfinale, italienischer Verband zum Achtelfinale.
81.000: Publikum, nicht Spielerzahl
81.000 Zuschauerbesuche meldet die FIP für das Paris Major. Gegenüber den genannten 64.000 im Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von rund 26,5 Prozent. Eine starke Größenordnung für die Sichtbarkeit des Sports. FIP-Bericht vom 14. September.
Die Zahl sollte aber nicht mehr erzählen, als sie belegt: Sie ist eine Veranstaltungs-Gesamtzahl, keine nachgewiesene Zahl verschiedener Personen und erst recht keine Statistik neuer Padelspieler. Wer mehrere Tage kommt, kann in solchen Summen mehrfach vorkommen. Für Deine Region sagen konkrete Spielmöglichkeiten mehr aus als ein internationaler Publikumsrekord. Dafür gibt es unseren Padel-Atlas.
Weniger Meter sind nicht automatisch weniger Intensität
Eine am 5. August veröffentlichte, hier erstmals besprochene Studie von Bingen Marcos-Rivero und Kollegen untersuchte 45 individuelle Matchaufzeichnungen von zwölf leistungsstarken Amateurspielern zwischen 18 und 25 Jahren. Sensoren erfassten unter anderem Bewegungsstrecken und Richtungswechsel. Quelle: International Journal of Sports Science & Coaching (2026), DOI: 10.1177/17479541261470206.
Mehrere absolute Belastungswerte nahmen nach dem ersten Satz ab. Bezogen auf die effektive Spielzeit zeigten sich jedoch deutlich weniger Unterschiede. Ein niedrigerer Gesamtwert allein belegt also nicht, dass jede Spielminute weniger fordernd war. Entscheidend ist auch, wie lange tatsächlich gespielt wurde.
Die kleine Beobachtungsstudie untersucht weder Senioren noch ein Trainingsprogramm. Sie beweist keine Ursache für Ermüdung und gibt keine optimale Pausenlänge vor. Auch eine gewöhnliche Sportuhr liefert nicht automatisch dieselben Messwerte wie die verwendeten Sensoren.
Was Du daraus mitnehmen kannst: Vergleiche nach zwei Matches nicht nur Dauer oder Strecke. Notiere zusätzlich, wie anstrengend sie sich angefühlt haben und wie dicht die Ballwechsel aufeinanderfolgten. So bekommt eine Zahl auf dem Display mehr Kontext.
Lucky Loser: ausgeschieden und doch dabei
Wörtlich klingt es nach Glück im Unglück. Im Turnierplan bezeichnet Lucky Loser eine Paarung, die in der Qualifikation ausgeschieden ist und anschließend einen frei gewordenen Platz im Hauptfeld erhält. Genau über diesen Weg kamen Kurz/Ortiz in Paris noch zum Zug. FIP-Bericht.
Das ist etwas anderes als eine Wildcard: Sie ermöglicht eine Einladung nach den Regeln des jeweiligen Wettbewerbs, ohne reguläre Qualifikation über die übliche Zugangsliste. Wie Nachrücker ausgewählt werden und bis wann sie bereitstehen müssen, bestimmt das betreffende Reglement. Für Dein eigenes Turnier gilt deshalb: Warteliste ist nicht gleich Startzusage. Frage die Turnierleitung, wie sie Dich bei einem freien Platz erreicht.
Zwei Runden, gleiche Zeit
Diese redaktionelle Übung hilft Euch beim Beobachten, nicht beim Diagnostizieren von Fitness. Nach Eurem üblichen Einspielen spielt Ihr zu viert zwei Runden von je drei Minuten mit normalen Punkten. Startet nach jedem Punkt in Ruhe neu. Dazwischen liegen zwei Minuten Pause; bei Bedarf verlängert Ihr sie.
Nach jeder Runde nennt jeder für sich eine Anstrengung von 0 bis 10. Schreibt außerdem auf, wie viele Punkte Ihr gespielt habt und ob Ballholen oder Unterbrechungen viel Zeit beansprucht haben. Dann vergleicht Ihr: Gleiche Dauer, aber gleiches Gefühl?
Versucht in Runde zwei nicht absichtlich, den Wert hochzutreiben. Der Zweck ist, Unterschiede wahrzunehmen. Wiederholt die Aufgabe bei einem späteren Spielabend. Zwei Runden ergeben keinen Leistungstest, können aber helfen, den Satz „Heute war es anstrengender“ genauer zu beschreiben. Weitere Übungen findest Du unter Padel lernen.
Drei Möglichkeiten für das kommende Wochenende
18. September, Schweiz: P100 Sky High Tournament im Padeldrome. Der Veranstalter nennt für offizielle Swiss-Tennis-Padel-Turniere eine entsprechende Lizenz als Voraussetzung. Ausschreibung und Anmeldung.
19. September, Österreich: Mixed Starter in Gänserndorf, angekündigt von 17 bis 21 Uhr. Ob Kategorie und Teilnahmebedingungen zu Euch passen, prüft Ihr direkt im APU-Kalendereintrag.
19./20. September, Deutschland: Letztes vorgesehenes Wochenende der Gruppenphase der BTV-Padel-Liga. Das ist ein Mannschaftsspieltag, kein frei buchbares Einzelturnier. Wer zuschauen möchte, prüft die konkrete Ansetzung beim beteiligten Verein. BTV: Spielbetrieb 2026.
International: Die Senioren-WM in Buenos Aires läuft laut aktuellem FIP-Zeitplan bis 19. September; die Gruppenspiele sollen am 16. September enden. Aktueller FIP-Turnierbericht.
Meldeschluss, Startzeit und freie Plätze können sich ändern. Die Links führen zur jeweiligen Quelle, nicht zu einer garantierten Startmöglichkeit. Für eine eigene Clubrunde hilft Dir unser Turnierplaner.
Fünf Fragen, klare Antworten
Ich bin über 40 und spiele erst kurz. Gehört für mich sofort ein Seniorenturnier dazu?
Nein. Eine Altersklasse sagt zunächst etwas über das Alter, nicht über das Spielniveau. Such zuerst Gegner mit vergleichbarer Erfahrung und einen Modus, dessen Umfang zu Dir passt. Frage nach garantierten Spielen, Satzlänge und dem voraussichtlichen Ende. Ein offener Clubabend kann für den ersten Einstieg geeigneter sein als ein mehrstündiger Wettkampftag.
Welche drei Fragen sollte ich vor einer Turnieranmeldung stellen?
Wie viele Matches spiele ich mindestens? Wird nach Zeit, kurzen Sätzen oder vollständigen Matches gespielt? Wie lange muss ich einschließlich möglicher Wartezeiten vor Ort bleiben? Mit diesen Antworten kannst Du den Tag besser einschätzen. Kläre zusätzlich Kategorie, Lizenz und Partnerregelung in der Ausschreibung. Ein bekanntes Turnierkürzel ersetzt diesen Blick nicht.
Mein zweiter Satz war kürzer. War er deshalb leichter?
Nicht zwingend. In weniger Zeit können weniger Bewegungen zusammenkommen, obwohl die einzelnen Spielphasen weiterhin fordernd sind. Umgekehrt macht ein langes Match mit vielen Unterbrechungen nicht jede Minute intensiv. Vergleiche Dauer, Unterbrechungen und Dein Belastungsgefühl gemeinsam. Eine einzelne Zahl reicht nicht, um Deine Fitness oder Erholung zuverlässig zu beurteilen.
Brauche ich für das Wochen-Training eine Sportuhr?
Nein. Ein Timer am Rand, Papier oder eine Handynotiz reichen. Behaltet die Grundbedingungen möglichst ähnlich und vergleicht vor allem Deine eigenen Eindrücke über mehrere Spielabende. Die vorgeschlagene 0-bis-10-Einschätzung ist kein Wettbewerb zwischen Mitspielern: Eine höhere Zahl ist weder besser noch ein Trainingsziel.
Bin ich als Nachrücker automatisch im Turnier?
Erst wenn die Turnierleitung Deinen Start bestätigt. Kläre, bis wann Du erreichbar sein oder vor Ort warten musst und was bei einer kurzfristigen Zusage für Gebühren und Partner gilt. Der Lucky-Loser-Weg bei einem Profiturnier lässt sich nicht einfach auf jedes Clubturnier übertragen. Maßgeblich ist Eure konkrete Ausschreibung.
Zum Nachlesen
Redaktionsstand: 16. September 2026. Die WM-Auftaktergebnisse beziehen sich auf den ersten Tag der Finalphase, den 14. September, und den FIP-Bericht vom 15. September. Spätere Gruppenresultate sind nicht vorweggenommen. Die Belastungsstudie erschien am 5. August; sie wird in dieser Ausgabe erstmals besprochen. Weitere Belege und die Veranstalterlinks stehen direkt im jeweiligen Abschnitt.
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