Deutschland fährt nach Doha.
Zwei deutsche WM-Tickets, eine neue Bühne in Asien und ein klarer Plan für enge Tiebreaks. Die Padel-Woche für Deinen nächsten Clubabend.
Jetzt ist es geschafft: Deutschlands Damen und Herren fahren zur Padel-WM. Was vor einer Woche mit zwei Auftaktsiegen begann, endete in Madrid mit zwei hart erkämpften Tickets für Doha. Die entscheidenden Partien liefern den Anlass für unseren Praxisteil: Wie gehst Du in einen Tiebreak, ohne plötzlich Dein ganzes Spiel umzustellen? Dazu kommen Österreichs Abschlussbilanz, die Bundesliga und Padels Premiere bei den Asienspielen. Eine frisch veröffentlichte Forschungsübersicht zeigt außerdem, wie viel Padel tatsächlich in der Wissenschaft hinter smarten Sensoren steckt.
Doha erreicht. Und nichts daran war selbstverständlich.
Deutschland gewinnt beide entscheidenden Ländervergleiche mit 2:1. Bei den Herren fällt die Entscheidung gegen Großbritannien, bei den Damen gegen Dänemark. Damit stehen beide Teams bei der WM vom 2. bis 7. November in Doha. Die offene Frage unserer letzten Ausgabe ist beantwortet. Der FIP-Bericht vom 26. September bestätigt die Qualifikation.
Besonders eng wird es bei den Herren. Johannes Lindmeyer und Benjamin Fitzon gewinnen ihr Doppel nach verlorenem ersten Satz. Großbritannien gleicht anschließend aus. Im entscheidenden Match drehen Christian Böhnke und Nick Merten ebenfalls einen Satzrückstand: 4:6, 7:6, 6:4 gegen Alfonso Patacho und Christian Medina Murphy. Alle drei Doppel gehen über die volle Distanz.
Auch die Damen müssen ein 0:1 aufholen. Victoria Kurz und Milla Blaschke stellen nach drei Sätzen den Ausgleich her, Lena Plümer und Katharina Hering sichern mit 6:0, 6:2 den entscheidenden Punkt. Der DPV-Rückblick vom 29. September hebt den Zusammenhalt und die Vorbereitung des Teams hervor.
Für Deinen Clubabend steckt darin eine gute Frage: Was bleibt von Eurem Plan übrig, wenn ein Satz kippt? Ein Comeback beweist nicht, dass bloßes Durchhalten immer reicht. Aber es erinnert daran, den nächsten Punkt nicht mit dem gesamten bisherigen Match zu beladen. Genau dort setzt unser Tiebreak-Schwerpunkt an: mit einer überschaubaren Aufgabe statt der Suche nach dem einen Wunderschlag.
Lyon kürt neue Sieger, Rotterdam läuft
Javi Leal und Fran Guerrero gewinnen das FIP Platinum Lyon gegen Franco Stupaczuk und Jon Sanz mit 4:6, 6:1, 6:4. Bei den Damen setzen sich Bea Caldera und Carmen Goenaga im Finale gegen Martina Fassio und Águeda Pérez mit 6:1, 6:3 durch. FIP-Finalbericht vom 27. September.
In Rotterdam läuft inzwischen das nächste P2; der Finaltag ist am 4. Oktober. Danach folgt Düsseldorf. Ergebnisse laufender Runden nehmen wir nicht vorweg. Offizieller FIP-Kalender.
Drei Entwicklungen abseits der großen Schlagzeile
Österreich: Zwei Gruppenzweite, kein WM-Ticket
Die Herren schlagen Moldawien 3:0, bleiben nach der Niederlage gegen Großbritannien aber Gruppenzweite. Die Damen gewinnen 2:1 gegen Tschechien und verlieren 0:3 gegen Dänemark. Auch sie beenden die Gruppe auf Rang zwei. Für beide Teams endet damit die Qualifikation. Das ist die nun vorliegende Abschlussbilanz, nicht mehr die Zwischenmeldung der Vorwoche. APU-Rückblick, aktualisiert am 28. September.
Bundesliga: Nationalteam und Liga brauchen Abstimmung
Am Wochenende standen die offene Klasse und die AK45 der ersten Bundesliga auf dem Programm. Wegen der WM-Qualifikation wurden einzelne Vorrundenspieltage vom Samstag auf Sonntag verschoben, wie der DPV am 26. September mitteilte. Für Mannschaften und Zuschauer ein praktischer Hinweis: Kurz vor einem Spieltag zählt der aktuelle Spielplan, nicht die Wochen zuvor gespeicherte Grafik. DPV-Mitteilung zum Ligawochenende.
Nagoya: Aus der Ankündigung wird ein Medaillenwettbewerb
Seit dem 28. September läuft erstmals Padel bei den Asienspielen. In Aichi-Nagoya geht es bis zum 3. Oktober um die ersten Titel dieses Wettbewerbs. Die Aufnahme hatten wir im Frühjahr aufgegriffen; neu ist jetzt der tatsächliche Start. Wichtig bei der Einordnung: Asienspiele sind ein kontinentaler Multisport-Wettbewerb und nicht die Olympischen Spiele. FIP: Debüt und Turnierplan.
43 Paare auf einer neuen Bühne
Die FIP nennt für Nagoya 20 Herrenpaare und 23 Damenpaare. Zusammen sind das 43 gemeldete Doppel, nicht 43 Länder. Das etwas größere Damenfeld ist ein schönes Detail einer Premiere, bei der der Blick sonst schnell nur auf den Namen des Events fällt. FIP: Teilnehmerfelder der Asienspiele.
Was die Zahl nicht erzählt: wie viele Menschen in ganz Asien Padel spielen oder wie gleichmäßig sich der Sport dort entwickelt. Ein Turnierfeld ist eine Momentaufnahme. Gerade deshalb lohnt es sich, eine konkrete Größe sauber zu benennen, statt daraus gleich die nächste globale Wachstumsbehauptung zu machen.
Smarte Sensoren: viel Tennis, noch wenig Padel
Eine am 29. September 2026 erschienene systematische Übersicht von Lucrezia Moggio und Kollegen untersucht maschinelles Lernen mit tragbaren Sensoren in Tennis und Padel. Von 16 eingeschlossenen Studien befassen sich 14 mit Tennis, eine mit Padel und eine mit Tennis innerhalb mehrerer Sportarten. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erkennen von Bewegungen und Schlagarten.
Die Modelle liefern oft hohe Trefferquoten. Doch kleine, ausgewählte Teilnehmergruppen und seltene Tests an unabhängigen Personen begrenzen die Übertragbarkeit. Sieben Arbeiten haben laut Review ein hohes Verzerrungsrisiko, bei neun bestehen methodische Bedenken. Die Übersicht erschien im Journal of Functional Morphology and Kinesiology: DOI 10.3390/jfmk11040391.
Was Du daraus mitnehmen kannst: Schlagzählung, taktische Bewertung und Verletzungsvorhersage sind unterschiedliche Aufgaben. Ein Sensor, der einen Volley erkennt, weiß damit noch nicht, ob dieser Volley die richtige Entscheidung war. Die Übersicht testet keine bestimmte Sportuhr. Eine pauschale Aussage über alle Padel-Apps lässt sich daraus nicht ableiten.
Bei 5:5 musst Du Dein Spiel nicht neu erfinden
Du hast den ganzen Satz ordentlich gespielt. Dann beginnt der Tiebreak, und plötzlich probierst Du den Aufschlag an die Außenkante, den ganz kurzen Winkel oder den Smash aus einer Position, aus der Du vorher ruhig weitergespielt hättest. Nicht jeder Fehler entsteht durch zu wenig Können. Manchmal ist der geplante Schlag in diesem Moment einfach unnötig schwierig.
Unser Vorschlag: Lege vor dem Tiebreak Deine sichere erste Lösung fest. Beim Aufschlag kann das eine größere Zielzone statt einer Linie sein. Beim Return eine Richtung, die Du bei normalem Tempo kontrollierst. Das Ziel ist nicht, jeden Ball harmlos einzuspielen, sondern den Punkt mit einer vertrauten Aufgabe zu beginnen.
Danach bleibt der Ballwechsel offen. Kommt eine klare Angriffschance, darfst Du sie nutzen. Kommt ein schwieriger Ball, zwingt Dich der Spielstand nicht zum Winner. „Sicher“ bedeutet also nicht „immer langsam“, sondern: eine Lösung wählen, die zur konkreten Position passt.
Nach dem Match fragst Du nicht nur, ob Ihr den Tiebreak gewonnen habt. Frag auch: Habe ich meine gewählte Lösung umgesetzt oder ohne Grund etwas anderes versucht? Ein gut gewählter Schlag kann misslingen, ein unnötiges Risiko zufällig gelingen. Wer beides auseinanderhält, kann aus engen Matches mehr lernen als aus dem Endstand allein. Diese Hinweise sind redaktionelle Trainingsideen, kein Ergebnis der Sensorstudie.
Tiebreak: Wer schlägt auf, wann wird gewechselt?
Im regulären Satz-Tiebreak gewinnt das Paar, das mindestens sieben Punkte und zwei Punkte Vorsprung erreicht. Bei 7:6 ist also noch nicht Schluss. Es beginnt der Spieler, der nach der bisherigen Reihenfolge an der Reihe ist, mit einem Punkt von rechts. Anschließend folgen jeweils zwei Aufschlagpunkte pro Spieler in der bestehenden Reihenfolge.
Die Courtseiten wechselt Ihr nach jeweils sechs gespielten Punkten insgesamt, etwa bei 4:2 oder 3:3. Das ist nicht mit der Zielmarke sieben zu verwechseln. Ein Super-Tiebreak bis zehn kann nach Ausschreibung den Entscheidungssatz ersetzen; auch dort sind zwei Punkte Abstand nötig. Klärt das Format vor dem Match. FIP-Regelwerk, Regeln 1 und 5, Seiten 11 und 13.
Drei kurze Endphasen statt eines langen Satzes
Nach dem Einspielen startet Ihr zu viert dreimal direkt bei einem gedachten 4:4 im Tiebreak. Legt die Reihenfolge vorher fest: Der nächste Aufschläger hat bei 4:4 noch einen Punkt von rechts, danach folgen wieder Zweierblöcke. Gespielt wird bis mindestens sieben mit zwei Punkten Abstand. So erlebt Ihr mehrere enge Endphasen, ohne erst drei ganze Sätze zu brauchen.
Jeder wählt vorher eine erste Lösung für den eigenen Aufschlag oder Return. Nach jedem Durchgang nehmt Ihr Euch in dieser Trainingsform eine Minute: Welche Idee hattest Du? Hast Du sie umgesetzt? Erst dann entscheidet Ihr, ob etwas geändert werden soll.
Zählt neben dem Ergebnis, wie oft Ihr bei Eurer gewählten Lösung geblieben seid. Es geht nicht um eine perfekte Trefferquote, sondern um bewusstes Handeln bei knappem Spielstand. Die Übung ist ein redaktioneller Vorschlag. Sie benötigt keine Sensoren und ersetzt kein individuelles Coaching.
Die nächsten Tage im Blick
Deutschland, Düsseldorf: Das Germany P2 steht im FIP-Kalender vom 5. bis 11. Oktober. Wer wegen eines bestimmten Duos anreist, sollte den veröffentlichten Tagesplan abwarten; der Veranstaltungszeitraum ist keine Garantie für dessen Spieltag. FIP-Turnierübersicht.
Österreich, Linz: Am 3. Oktober von 10 bis 15 Uhr ist der Linzer Padelbase Cup als offener Starter-Bewerb eingetragen. Teilnahmebedingungen und Warteliste bitte direkt im aktuellen Verbandseintrag prüfen. Eine Momentaufnahme freier Plätze wäre hier schnell überholt. APU-Turnierkalender.
Schweiz, Pratteln: Die Veranstalterübersicht führt für den 6. Oktober ein Oktober-Turnier mit Anmeldelink. Spielstärke, Format und Beginn stehen in der jeweiligen Ausschreibung; der Kalendereintrag allein beantwortet diese Fragen noch nicht. Offizielle Turnierübersicht.
International: Die Medaillenspiele in Nagoya sind am 3. Oktober geplant, die Finals in Rotterdam am 4. Oktober. Ablauf der Asienspiele und FIP-Kalender.
Für eine eigene Runde hilft Dir unser Turnierplaner. Eine Anmeldung bei einem Veranstalter übernimmt er nicht. Prüfe Termine und Teilnahmebedingungen vor der Anreise noch einmal.
Fünf Fragen, klare Antworten
Sind Deutschlands Damen und Herren jetzt wirklich für die WM qualifiziert?
Ja. Beide Teams haben die entscheidenden Begegnungen in Madrid gewonnen. Sie stehen damit bei der Endrunde vom 2. bis 7. November 2026 in Doha. Die Qualifikation ist abgeschlossen; das ist die neue Entwicklung gegenüber unserer Ausgabe vom 23. September.
Sollte ich im Tiebreak grundsätzlich defensiver spielen?
Nicht grundsätzlich. Wähle für den Beginn des Punktes eine vertraute Lösung mit ausreichend Spielraum. Nutze klare Chancen weiterhin. Der knappe Spielstand allein ist weder ein Grund für ein extremes Risiko noch dafür, jeden angreifbaren Ball nur zurückzuschieben.
Wie erkenne ich, ob mein Plan sinnvoll war, obwohl der Ball ins Aus ging?
Trenne Idee und Ausführung. War die Zielzone angemessen und warst Du gut genug zum Ball positioniert? Dann kann die Entscheidung sinnvoll gewesen sein, obwohl die Ausführung misslang. Wiederholt sich derselbe Fehler, vereinfache die Aufgabe oder lass Dir im Training Feedback geben.
Muss ein Sensor erst meine Schlagarten kennen, bevor ich sinnvoll trainieren kann?
Nein. Für die Übung dieser Woche reichen die Spielstände und Eure Beobachtungen. Notiert nach dem Durchgang eine konkrete Situation statt möglichst vieler Kennzahlen. Wer bereits ein Gerät nutzt, kann dessen Daten ergänzend betrachten, sollte sie aber nicht mit einem vollständigen taktischen Urteil verwechseln.
Kann ich die Endphasen-Übung auch mit Einsteigern machen?
Ja, wenn alle die grundlegende Zählweise kennen und sicher zusammenspielen. Spielt kontrolliert, erklärt die Aufschlagfolge vorab und verwendet große Zielzonen. Wenn das Zählen noch zu viel Aufmerksamkeit bindet, übt zunächst den Ablauf ohne Ergebnisdruck. Der Anspruch darf zum Können der Gruppe passen.
Zum Nachlesen
Redaktionsstand: 30. September 2026. Die WM-Qualifikation und Lyon sind abgeschlossen; Rotterdam und die Asienspiele laufen noch. Die Forschungsübersicht erschien am 29. September. Praxis und Trainingsform sind eigene redaktionelle Vorschläge, keine aus der Übersicht abgeleiteten Wirksamkeitsversprechen. Kalenderbelege stehen direkt bei den Terminen.
Was verändert sich bei Dir im Tiebreak?
Wirst Du vorsichtiger, hektischer oder überraschend klar? Schreib uns eine konkrete Szene aus Deinem letzten engen Match. Daraus entstehen die besten Fragen für kommende Praxisthemen.
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